FC ohne Glück gegen Aufstiegskandidaten

Knappe 0:2-Niederlage gegen Saarländer – Deutliche Leistungssteigerung in 2. Hälfte – Endgültige Entscheidung in Nachspielzeit – Stattliche Zuschauerkulisse

Groß war die Vorfreude auf das erste Regionalliga-Spiel im Gießener Waldstadion trotz der vorwöchentlichen 1:7-Pleite in Elversberg. 2650 Zuschauer säumten die Ränge und wurden vor allem in der 2. Hälfte von der Leistungen unserer Jungs nicht enttäuscht.

Trainer Daniyel Cimen hatte Konsequenzen aus der Auswärtsniederlage gezogen und brachte den wieder genesenen Vaclav Koutny für Ricardo Antonaci, Nico Rinderknecht ersetzte Marco Koch und Aykut Öztürk kam für Jann Bangert ins Team. Die Gäste mussten auf ihren gesperrten etatmäßigen Innenverteidiger Kevin Maek verzichten, der vom Ex-Offenbacher Stefano Maier ersetzt wurde. Vom letzten Aufeinandertreffen der beiden Mannschaften (damals noch SC Teutonia) vom 20. Mai 2017 in Wetzlar (4:2 für Homburg) standen nur noch jeweils 2 Spieler in beiden Mannschaften auf dem Spielfeld (Gießen: Koutny, Spang; Homburg; Stegerer, Eichmann). Timo Cecen, der auch einen Treffer per Elfmeter erzielte, trug damals das Homburger Trikot. Der Ex-Gießener Damian Marceta gehörte zwar dem Homburger Kader an, kam aber nicht zum Einsatz.

Vor den Augen des hessischen Ministerpräsidenten Volker Bouffier startete unser FC mit einer Dreier-Kette, die sich immer wieder durch die Zurücknahme der Außenverteidiger zu einer Fünfer-Kette verschob. In den ersten Minuten merkte man den Hausherren ganz deutlich die Verunsicherung nach dem Elversberger Debakel an. Man war auf Sicherung aus, wagte wenig und war im Mittelfeld ständig in Unterzahl. Dadurch war es für Homburg nicht schwer, deutlich Dominanz auszuüben. Mit immer wieder nach vorne drängenden Außenverteidigern und großer Passsicherheit im Mittelfeld waren die Gäste klar spielbestimmend.

Trotzdem fiel der Führungstreffer durch den ehemaligen Steinbacher Patrick Dulleck wie aus heiterem Himmel (12. Min.). Eine Flanke von links wurde von Neuzugang Jure Colak per Hechtkopfball unglücklich vor die Füße von Dulleck geklärt, der dann mit einem satten Flachschuss ins lange Eck zum 0:1 Torwart Löhe keine Chance ließ. Dies war der erste Schuss auf das Gießener Tor! Jetzt machte sich bei den Hausherren noch mehr Unsicherheit breit und Homburg ließ Ball und Gegner laufen, ohne aber zu nennenswerten Tormöglichkeiten zu kommen. 

Nachdem Trainer Cimen in der Mitte der Hälfte von einer Dreier- auf Vierer-Kette umgestellt hatte und Nico Rinderknecht ins Mittelfeld verschob, kamen unsere Jungs allmählich besser ins Spiel, waren allerdings in der Offensive immer wieder zahlenmäßig unterlegen, agierten zu oft mit langen Bällen und ließen das nötige Tempo vermissen. Einfache Ballverluste machten es dem Gegner zusätzlich leicht, das Spiel an sich zu reißen. Die einzigen Torchancen der Hausherren datierten bis dahin aus einem 20m-Schuss von Johannes Hofmann (21.) und einem Markovic-Schuss (32.), der leichte Beute von Schlussmannn Salfeld wurde. Die Saarländer agierten deutlich cleverer in den Zweikämpfen und waren oft den entscheidenden Tick schneller als ihre Gegenspieler. Zudem gelang es ihnen immer wieder, sich auf dem rechten Flügel durchzuspielen, aber die Hereingaben fanden zum Glück keine Abnehmer.

Nachdem ein abgefälschter Schuss von Marcel Karl (36.) knapp über das Gehäuse von Frederic Löhe segelte, kam Noah Michel zu besten Gelegenheit für das Heimteam, als er sich energisch nach einem Steilpass gegen seine Gegenspieler durchsetzte und – stark bedrängt – an Torwart Salfeld scheiterte (37.). Nachdem Löhe einen gefährlichen Carl-Schuss gemeistert hatte, pfiff Schiedsrichterin Karoline Wacker zur Pause.

Ein heftiger Regenguss in der Pause machte das Spielfeld für die 2. Hälfte rutschig. Aggressiv kamen die Rot-Weißen aus den Kabinen und spielten nun engagiert nach vorne. Erneut war es Noah Michel, der in der 52. Minute den Ausgleich auf dem Fuß hatte, als er nach einem feinen Konter im Sechzehner freigespielt wurde, aber zu lange mit dem Abschluss wartete, so dass er gestört werden konnte. Nun drängten die Rot-Weißen mit Unterstützung der Zuschauer auf den Ausgleich, der in Minute 57 fast gefallen wäre. Nach einem Cecen-Freistoß erwischte erneut der gefährlichste Gießener, Noah Michel, den Ball per Kopf und traf nur den Pfosten, der Rinderknecht-Nachschuss ging knapp über das Homburger Gehäuse.

Nun wurde das Spiel, in dem sechs Gießener wegen ihres Einsatzes gelbe Karten sahen (Spang, Nennhuber, Colak, Rinderknecht, Öztürk, Ferfelis), immer hektischer. Auch die Gäste kamen wieder zu Torchancen. Torhüter Frederic Löhe konnte sich bei einem Maier-Kopfball (61.) und mit einer Glanzparade nach einem Steinherr-Schuss auszeichnen. Nachdem Noah Michel nur knapp eine Koch-Flanke (Marco Koch war in der 62. Minute für Christopher Spang eingewechselt worden) verpasste, wurde er ausgewechselt und Neuzugang Dimitrios Firfelis kam zu seinem Debut im Gießener Trikot (71.). 

Wegen der nun völlig offensiven Ausrichtung des Gießener Spiels (in der 78. Minute kam noch Cem Kara für den glücklosen Marco Koch ins Spiel) gab es für die Homburger Räume für gefährliche Konter. So zielte der gefährlichste Homburger, Patrick Dulleck, knapp am Tor vorbei (78.). Als dann Torwart Sallfeld einen fulminanten Schuss von Timo Cecen entschärfte und Nennhubers Nachschuss über die Latte flog (88.), war die letzte Ausgleichschance dahin. In der 90. Minute konnte Löhe noch gegen den durchgebrochenen Jannik Sommer im 1:1-Duell klären, allerdings war er in der 3. Minute der Nachspielzeit machtlos, als erneut Dulleck einen Konter nach einem Sommer-Pass kaltschnäuzig zum 0:2-Endstand verwandelte.

In der anschließenden Pressekonferenz betonte Homburgs Trainer Jürgen Luginger (84 Einsätze als Profi in der Bundesliga), dass seine Mannschaft auf Grund einer konzentrierten Spielweise mit einer guten Leistung das Spiel verdient gewonnen habe. Trainer Cimen unterstrich, dass seine Mannschaft in diesem Spiel ein anderes Gesicht als in Elversberg gezeigt und trotz des frühen Gegentores nie aufgegeben habe. Er zeigte sich zufrieden mit der Gegenwehr, die man dem überlegenen Gegner geleistet habe, und verwies darauf, dass man in der Effizienz zulegen müsse und in der Abwehr sich weniger Fehler leisten dürfe.

Trotz der zweiten Niederlage im zweiten Spiel konnten unsere Jungs hoch erhobenen Hauptes den Platz verlassen, hatten sie doch einen enormen Kampfgeist gezeigt und dem spielerisch stärkeren und routinierteren Gegner vor allem in der zweiten Hälfte einen Kampf auf Augenhöhe geliefert. Mit etwas Glück und mehr Offensivkraft hätte sogar ein Punktgewinn gegen einen Aufstiegsaspiranten im Bereich des Möglichen gelegen. Werden die Ungenauigkeiten im Spiel abgestellt und weniger lange Pässe ins Niemandsland gespielt, sollten die Erfolgserlebnisse gegen weniger starke Gegner nicht mehr lange auf sich warten lassen. Auch hat Trainer Cimen mit Sicherheit noch nicht seine stärkste Formation gefunden. Vor allem die Leistung in Hälfte 2 macht Hoffnung auf eine erfolgreichere Zukunft.

Kopf hoch, Jungs, die Saison ist noch lang!

Text: Reinhard Schmandt

Foto: Florian Kuhn

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